Shopping-Experiences der besonderen Art

09.01.12

Die neuste Mode in Paris sind Shopping-Erlebnisse! und zwar in Kaufhäusern, deren Räume und Dekorationen so herrlich und einzigartig sind, dass man sich wie in einem Museum vorkommt.

Letztes Jahr wurde ich stutzig, als mich Kunden mehrmals nach einem Event in der Avenue des Champs-Elysées 23 fragten. Fand an dieser Adresse, wo sich morgens bereits eine beeindruckende Warteschlange bildete, eine berühmte Ausstellung statt oder handelte es sich um eine Kunstgalerie? Falsch geraten! Die amerikanische Sportswear Marke Abercrombie & Fitch eröffnete dort ihren grössten europäischen Flagship-Store. Das 1892 von David Abercrombie und Ezra Fitch in den USA gegründete Modeunternehmen gehört heute zu den Kultlabels der 18-25-Jährigen und Fans des Vintage-Looks (Kleidung, die abgenutzt und verwaschen aussieht).

Immer häufiger eröffnen bekannte Marken ihre Shops in wahren architektonischen Meisterwerken. Eigentlich ist das Konzept, Kunst und Kultur mit Geschäft zu vermischen nicht neu. Bereits Ende des 19. Jh., Anfang des 20. Jh., zur Zeit der Gründung der grossen Kaufhäuser, rivalisierten die talentiertesten Architekten, um mit ihren Meisterwerken die Kundschaft anzuziehen. Nehmen wir als Beispiel die Galeries Lafayette, die sich am Boulevard Haussmann im Haus mit der byzantinischen Zentralhalle und der legendären Glaskuppel befinden oder Le Printemps, das in einem Haus im Art-Nouveau-Stil untergebracht ist. Die 100 Jahre alte Marketingstrategie funktioniert heute immer noch.

Im Store von Abercrombie & Fitch dreht sich alles um die "Shopping-Experience". Man wird sofort vom gedämpften Ambiente in den Bann gezogen. Das Herzstück des Gebäudes ist eine verschnörkelte und mit Gold verzierte schwarze Treppe, die sich durch die vier Ebenen des Stores zieht. Ein imposantes Bild, insbesondere in Kombination mit den Wandmalereien, die junge Männer in sportlichen Posen zeigen. So offen und groß der Treppenbereich mit seinen Stuck-Decken wirkt, führt Sie der Weg doch ebenso in intime, liebevoll dekorierte Nischen. Ausgestattet mit einer unendlichen Anzahl von Spiegeln und Lichtspots, Palmen und Vitrinen vergisst man beinahe, dass es sich nicht um ein Museum, sondern einen Shop für Mode handelt.
An der Avenue des Champs-Elysées Nr. 69 befindet sich der Beauty-Tempel von Guerlain mit einer erlesenen Dekoration aus den 1930-er Jahren und einem märchenhaften Glasperlenleuchter im ersten Stock – der perfekte Ort, um sich wie ein Filmstar zu fühlen.

Louis Vuitton an der Avenue des Champs-Elysées Nr. 101 eröffnete einen Luxustempel, der auf die klassische Kaufhausarchitektur verzichtet, und präsentiert eine Art Promenade von Terrassen, die sanft zum Zentralatrium hinunterführen.

Hermès richtete eine neue Luxusboutique in Saint-Germain-des-Prés im berühmten Hotel Lutetia ein. Im ehemaligen Jugendstil-Schwimmbad, wo einst die Pariser Gesellschaft ihr Baderitual vollzog, sorgt heute der Zen-Teesalon «Le Plongeoir» für Erfrischung und Erholung.

Ralph Lauren findet man am Boulevard Saint-Germain Nr. 173 in einem prachtvollen Patrizierhaus aus dem 17. Jh. Hinter dem Portal führt eine Passage durch den Hauptbau hindurch in den Innenhof. An dessen Ende, im zweigeschossigen ehemaligen Stallgebäude, ist ein Restaurant mit 100% amerikanischer Speisekarte untergebracht.

Profitieren Sie vom Ausverkauf, um diese aussergewöhnlichen Orte zu entdecken.

François