Zwiebelturmkirche neben dem Eiffelturm
10.06.11
Ich habe mich oft gefragt, was für architektonische Spuren Nicolas Sarkozy wohl in der Hauptstadt hinterlassen wird, ob er vor dem Ende seiner fünfjährigen Regierungszeit noch einen freien, verfügbaren Standort finden wird?

Der Baustil der zukünftigen russisch-orthodoxen Kirche steht fest. Fünf vergoldete zwiebelförmige Kuppeln, verhüllt von einem gläsernen Schleier, umgeben von einem riesigen Garten.
Die letzten Jahrzehnte waren in Paris eine Blütezeit für neue Monumente und moderne Kunstgebäude. Pompidou hatte den Brauch wieder eingeführt, nach dem jeder Staatspräsident genau wie früher die französischen Monarchen der Nachwelt ein Zeugnis seiner Regierungszeit hinterlassen muss. V. Giscard d’Estaing ist dem Beispiel seines Vorgängers nicht gefolgt, ganz im Gegenteil zu F. Mitterand, der in dieser Hinsicht einige Glanzleistungen vollbracht hat: der Arche de la Défense, die Glaspyramide vom Louvre, die Säulen von Buren, die Nationalbibliothek, die Opera Bastille… J. Chirac musste sich ganz schön ins Zeug legen, um «sein» Museum du Quai Branly einzuweihen, was ihm sicher sehr am Herzen lag, denn kürzlich war er noch anlässlich der Hochzeit seiner Tochter Claude zum Mittagessen dort.
Was ist mit Präsident Sarkozys Bauplänen? Sein Projekt für den Bau einer russisch-orthodoxen Kirche wurde in den Räumen der russischen Botschaft enthüllt, in Absprache mit seinem Amtskollegen M. Medvedev. Wenn die beiden Regierungschefs schon nicht auf gleicher Wellenlänge sind, was andere Entscheidungen betrifft, so sind sie sich wenigstes über diesen Bauplan einig. Und wo genau? In unmittelbarer Nähe des Eiffelturms, an der Stelle des Hauptsitzes des französischen Wetterdienstes, der bereits letztes Jahr vom Staat für 60 Millionen Euro an Russland verkauft wurde. Das Gebäude soll abgerissen werden, und die 430 Angestellten werden von nun an in Büros am Pariser Stadtrand arbeiten.
Was würde wohl Edith Piaf von der ganzen Sache denken? Sie wohnte im 16. Bezirk am Bd Lannes, gegenüber der russischen Botschaft und hat sich mit Theo Sarapo in der russischen Kirche in der Rue Daru, nicht weit vom Place des Ternes verheiratet. Eine wunderschöne Kirche, die es sich zu entdecken lohnt.
Offensichtlich handelt es sich hier um ein hochpolitisches Dossier. Aber ist dies wirklich der geeignete Ort für einen modernen Komplex, der die Pariser Skyline drastisch verändern und trotzdem im Schatten der Eisernen Lady bleiben wird.
Nun geht es auch noch darum, die Pariser von einem dauerhaften Endresultat zu überzeugen, das sich ausserdem in die Landschaft einpassen soll. Letztere sind schon ziemlich genervt von nicht allzu weit entfernten Beispielen.