Majestätische Throne in Versailles
30.05.11
Ich komme gerade von einem geführten Rundgang in den Prunkgemächern von Versailles, wo ich rund 40 Throne aus verschiedenen Epochen und Zivilisationen bewundern konnte.

Prunkvolle Ausstellung in Versailles: "Majestätische Throne" Das Schloss Versailles präsentiert in den königlichen Appartements eine Ausstellung von Thronen aus aller Welt. Bestimmt werden diesmal keine Puristen wegen drohender Entweihung des Kulturerbes protestieren, so wie nach den Schauen von Jeff Koons und Takashi Murakami, denn was hätte politische und religiöse Macht in der Residenz des Sonnenkönigs besser versinnbildlichen können als Throne.
Das Wort Thron kommt vom griechischen thronos, „Stuhl“ oder „Königssitz“, der den Herrscher höher plazierte als die anderen und folglich die Verbindung zwischen Himmel und Erde schuf. Im christlichen Kirchenbau bekam der Sitz des öffentlichen Amtsträgers, die sogenannte Kathedra, einen herausgehobenen Platz beim Altar, da sein Besitzer die Verbindung zum Himmel, im lateinischen Pontifex („Brückenbauer“), symbolisierte.
Throne verkörpern seit jeher Autorität und Macht. Was hätte einen idealeren Rahmen bieten können als die Prunkgemächer und die Spiegelgalerie, historische Kulisse königlicher Opulenz, ein Ort der Ausübung und Repräsentation von Macht par excellence.
Die einzigartigen Exponate stammen aus dem Vatikan, der Verbotenen Stadt von Peking und den Königsschlössern Europas (Madrid, Warschau...). Unter den Sitzmöbeln sind auch jene, auf denen einst Napoleon und der gute König Dagobert ihre Macht ausübten. Ein besonderes Stück ist der tragbare Thron von Papst Pius VII., die sedia gestatoria, Vorläufer der Papamobils.
Im 19. Jh. begannen zwar Revolutionäre und Anarchisten eine gewisse Abscheu gegen Throne zu entwickeln, doch die Republik besitzt auch heutzutage noch ihre Throne. Werfen Sie einmal am 14. Juli anlässlich der jährlichen Zeremonien einen Blick auf die Ehrentribune des Präsidenten, um festzustellen, dass Autorität immer noch in sitzender Position ausgedrückt wird.
Auf alle Fälle bietet diese Ausstellung eine ideale Gelegenheit, Versailles neu oder wieder zu entdecken, das in den Medien stets äusserst präsent ist, wie kürzlich im französischen Fernsehen in einer Reportage über Nicolas Fouquet, der ohne es zu wollen der Grund für den Bau dieses prestigeträchtigen Palastes war.
Die Ausstellung dauert bis 19. Juni, täglich, ausser Montag und 1. Mai, 9-18.30 Uhr.